Asien will gegen den Bitcoin vorgehen

– China will gegen die Erzeuger der Kryptowährung vorgehen, Südkorea den Handel mit Bitcoins sogar ganz verbieten.
– Der Anfang vom Ende des Bitcoin? Eher nicht. In anderen Ländern gibt es aller Voraussicht nach genug Kapazitäten, um das Digitalgeld zu schürfen.

Erst war es nur ein Gerücht, das durch einige Blogs waberte: Die Regierung in Peking wolle das Schürfen von Bitcoin in China verbieten. Eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe der Notenbank habe vergangene Woche die Behörden angewiesen, die Schließungen von Bitcoin-Farmen zu koordinieren. Eine Bestätigung blieb zunächst aus. Inzwischen aber verdichten sich die Indizien: Ein Beamter aus der westchinesischen Provinz Xinjiang sagte dem Wall Street Journal, dass seine Behörde diese Anordnung aus Peking tatsächlich erhalten habe.

Für die Digitalwährung ist das eine gewaltige Nachricht. Denn derzeit werden laut einem Report der Sicherheitsfirma Gladius & Hacken 77,7 Prozent aller neuen Münzen in China erzeugt. Am Donnerstag dann ein weiterer Schicksalsschlag aus Asien: Südkorea will den Handel mit Kryptowährungen gesetzlich verbieten. Seine Behörde bereite ein Gesetz vor, „das sämtliche Transaktionen auf der Grundlage von Kryptowährungen über Handelsplattformen“ verbiete, sagte Justizminister Park Sang-ki. In Korea hat der Wirbel um Kryptowährungen beinahe alle gesellschaftlichen Schichten so stark durchdrungen, dass sich die Regierung zum Einschreiten gezwungen sieht.

Nach diesen beiden Ankündigungen wurden weltweit Anleger nervös und verkauften massenhaft digitale Münzen. Der Preis pro Bitcoin brach zeitweise um mehr als zwölf Prozent auf 12 800 Euro ein, die Kurse von Alternativwährungen wie Ether, Litecoin und Ripple gerieten ähnlich unter Druck. Sollte Südkorea die Pläne für ein Komplettverbot des Handels umsetzen, befürchteten Analysten, könnte das den Markt kurzfristig beeinträchtigen. „Wir hatten schon häufig Staaten, die über Verbote nachgedacht haben“, sagt indes Oliver Flaskämper, der in Bitcoin.de die einzige deutsche Kryptobörse betreibt. „Wenn Südkorea jetzt im Alleingang Bitcoin verbieten sollte, wird das keinen wirklichen Effekt auf die Preise haben.“ Zumindest keinen dauerhaften – kurzfristige, extreme Kursschwankungen gab es von Beginn an. „Das ist mitnichten die Götterdämmerung der Kryptowährungen“, urteilt auch Roman Beck, der an der IT-Universität Kopenhagen forscht.

Vor wenigen Monaten noch war China der wichtigste Markt der Welt: 90 Prozent des globalen Handels mit der Cyberwährung wurden dort abgewickelt. Der Boom des digitalen Geldes schien ein chinesisches Märchen zu sein. Bis es den Behörden unheimlich wurde und sie im September vergangenen Jahres den Handel untersagten. Die Aufseher sorgen sich, dass sich mit Bitcoin illegale Aktivitäten finanzieren lassen. Terror, Drogenhandel, Waffenschieberei – aber auch die von der Führung in Peking geächtete Kapitalflucht will der Sicherheitsapparat eindämmen. Und natürlich die Zockerei, der Hang vieler Chinesen zum Hochrisiko, all das missfällt den Oberen in Peking. Eine „staatenlose“ Währung nennt der Apparat den Bitcoin. Und die Volkszeitung, das offizielle Parteiblatt, sprach dieser Tage von einer Blase, die durch eine Kombination aus Hype, Mysterium, Dezentralisierung und möglichem Insiderhandel entstanden sei.

Der logische Schluss für die Parteiführung: Man muss die Wurzeln des Booms freilegen und kappen. Derzeit entstehen täglich etwa 1800 neue Bitcoin-Einheiten. Das ist der Kern des sich selbst regulierenden Systems: Damit eine Transaktion in der sogenannten Blockchain verbucht werden kann, müssen mit dem Computer immer neue, komplizierter werdende Rechenaufgaben gelöst werden. Wer zuerst eine dieser Aufgaben absolviert und damit einen neuen Teil der Blockchain errechnet, wird mit frisch erzeugten Bitcoin belohnt. Dieser Prozess heißt Mining.

Die jetzigen Marktführer könnten in andere Länder ausweichen

Vor ein paar Jahren noch ging das auf dem heimischen Laptop. Inzwischen aber sind riesige Rechenzentren entstanden, 3000, 4000, 5000 Computer in Reihe geschaltet, ausgerüstet mit den modernsten Grafikkarten, neuerdings auch mit Spezialprozessoren. Sie zu betreiben, braucht sehr viel Strom. Besonders preiswert war das bisher in China. Die Kosten pro Kilowattstunde sind dort im Schnitt fünfmal geringer als in Deutschland.

Günstig ist es etwa in der Inneren Mongolei oder in Xinjiang, wo Kohle gefördert wird, die Kraftwerke aber oft nicht ausgelastet sind. Auch in Sichuan an der Grenze zu Tibet haben in den vergangenen Monaten etliche dieser Datenminen eröffnet. Der Strom dafür wird mit Wasserkraft erzeugt. Einer Studie der Investmentbank Morgan Stanley zufolge könnte so der Stromverbrauch zum Erzeugen von Kryptowährungen in diesem Jahr auf dem Niveau Argentiniens liegen.

Die hohen Energiekosten tragen jedenfalls nur noch mehr dazu bei, dass China es auf Kryptowährungen abgesehen hat. Was also passiert, wenn die chinesischen Farmen vom Netz gehen? Wahrscheinlich kaum etwas. Vielmehr dürften Miner anderswo profitieren und die jetzigen Marktführer in andere Länder ausweichen. „Selbst wenn von jetzt auf gleich alle Mining-Farmen abgekoppelt würden, gäbe es noch genügend Rechnerkapazitäten im Rest der Welt“, sagt Flaskämper. Das Netzwerk sei in der Lage, das auszugleichen. So beginnt der Zyklus von vorn: Nach kurzer Aufregung stabilisieren sich die Preise, es setzt sich die Erkenntnis durch, dass einzelne Staaten gegen den globalen Bitcoin-Wahn kaum etwas ausrichten können. Bis zur nächsten Hiobsbotschaft.