Vietnams grösster Bierbrauer wird thailändisch

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Die Pläne der vietnamesischen Regierung zur Privatisierung grosser Staatskonzerne sind am Montag ein gutes Stück vorangekommen. Für das umsatzstärkste Bierbrauunternehmen des Landes, die Saigon Beer Alcohol Beverage Corp (Sabeco), legt der thailändische Getränkehersteller und Hauptkonkurrent Thai Beverage umgerechnet 4,8 Mrd. $ auf den Tisch. Via seine vietnamesische Tochter Viet Beverage erwirbt der thailändische Riese damit 343,68 Mio. Aktien, was einer Mehrheitsbeteiligung von 53,59% entspricht.

Auch andere namhafte Bierbrauer wie Anheuser-Busch, Kirin, Heineken, San Miguel und Ashai hatten anfänglich Interesse an Sabeco und an dessen Hauptmarken (Bia Saigon und 333), zogen sich dann aber nach einem saftigen Anstieg der Börsennotierung zurück. Zuletzt – das heisst bis zum Stichtag vor einer Woche – behielt nur noch Thai Beverage die Nerven. Der an der Börse in Singapur und Bangkok gelistete Konzern wird vom Tycoon Charoen Sirivadhanabhakdi kontrolliert.

Vietnam ist bereits der grösste Biermarkt in Südostasien und gilt als eines der dynamischsten Länder für Nahrungsmittel- und Getränkemarken. Rund die Hälfte der Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt, nimmt westliche Konsumgewohnheiten an, und die Kaufkraft der rund 93 Mio. Einwohner ist stetig gestiegen. Der jährliche Bierkonsum beläuft sich auf rund 4 Mrd. Liter, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von 43 (Schweiz: 56) Litern entspricht; das bedeutet eine Verdreifachung seit 2002. Der zweitgrösste Bierbrauer des Landes, Hanoi Beer Alcohol Beverage (Habeco), soll zu einem späteren Zeitpunkt privatisiert werden.

Die Regierung hält derzeit 89% an Sabeco; die an den beiden Börsen in Ho Chi Minh City und Hanoi frei gehandelten Papiere (11%) fielen in diesem Jahr durch massive Kurssteigerungen auf. Vor Jahresfrist wurden sie mit 110 000 Dong gehandelt. Am vergangenen Freitag lagen sie bei 309 000 Dong; Thai Beverage bezahlt jetzt 320 000 Dong pro Papier. Zum Vergleich: Der VN-Index hat in diesem Jahr bisher um 40% zugelegt. Für Thai Beverage ist im Urteil von Marktbeobachtern entscheidend, in neuen Märkten expandieren zu können.

Entlastung für die Staatskasse

Die Entwicklungen an den Börsen in Vietnam spiegeln das breitere Interesse an der wirtschaftlichen Performance des südostasiatischen Staats, dessen BIP-Wachstumsraten in den vergangenen sechs Jahren regelmässig zwischen 6,5 und 7,0% lagen, also deutlich höher als in Thailand oder Indonesien. Für 2017 rechnet man in Hanoi mit einem BIP-Zuwachs von 6,9%. Zu den Faktoren zählen Analysten vor Ort ferner die Perspektive, dass Vietnam in den kommenden Jahren für den MSCI berücksichtigt wird.

Der Geldsegen für die Staatskasse dürfte in Hanoi, wo die Regierung mit der Privatisierung namhafter Staatsunternehmen um Jahre im Verzug ist, mit Erleichterung verbucht werden. Vietnam, wo sich wegen Geldmangels zahlreiche Infrastrukturvorhaben verzögern, ringt sowohl um höhere Staatseinnahmen als auch um das Wohlwollen internationaler Investoren. Um das Staatsdefizit abzubauen, plant die Regierung unter anderem eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 10 auf 12%, was knapp 4 Mrd. $ einbringen würde.

Neben Habeco stehen in den nächsten drei Jahren Privatisierungen von mehreren Dutzend grösserer Firmen an, die bisher direkt von den Ministerien geleitet worden sind. Dazu gehören etwa das Textilunternehmen Vinatex, VN Steel oder der im Bausektor verankerte Viglacera-Konzern. Auch die Anteile von Vinamilk, einem führenden Anbieter von Milchprodukten in Südostasien, sollten breiter gestreut werden. Ferner werden gemäss dem Plan grössere Anteile von Vietnam Airlines, Airports Corporation of Vietnam (ACV) sowie Petrolimex veräussert, doch bleibt der Staat aufgrund seines strategischen Interesses an diesen Firmen jeweils Mehrheitsaktionär.