Tankan: Japans Wirtschaft steht noch nicht vor der Rezession

Mit rund 10.000 im Auftrag der Bank of Japan quartalsweise befragten Unternehmen ist der Tankan die bedeutendste Konjunkturumfrage des Landes. Heute überraschte die Veröffentlichung für das dritte Quartal mit Rücksetzern.

Tokio – Der Tankan-Bericht der Bank of Japan zeigt, dass sich die Geschäftsbedingungen für die japanischen Industriebetriebe im dritten Quartal weiter verschlechtert haben. Der Leitindex für Großproduzenten sank von 21 im zweiten Quartal auf 19 im dritten Quartal. Dies war der dritte Rückgang in Folge und lag deutlich unter dem Bloomberg-Median von 22. Darüber hinaus verschlechterten sich die Geschäftsbedingungen großer Dienstleister von 24 auf 22. In allen Branchen und Unternehmensgrößen schwächten sich die Bedingungen von 16 auf 15 ab.

Die vierteljährliche Veränderung des All Industry Index ist in der Regel ein guter Indikator für das BIP-Wachstum. Der Indikator signalisiert nun, dass das jährliche BIP-Wachstum bald unter 1 Prozent fallen wird, gegenüber 1,1 Prozent im zweiten Quartal. „Der Tankan reflektiert eine sich verschlechternde Stimmung in der japanischen Wirtschaft“, konstatierte Stefan Große, Analyst der NordLB in einer ersten Reaktion. Unter dem Strich sei der Indexstand aber noch positiv, eine Rezession stehe nicht zu befürchten.

Allerdings drückten die handelspolitischen Auseinandersetzungen zunehmend die Stimmung, so Große weiter. „Die positive Entwicklung in den Nafta 2.0 Verhandlungen lassen uns hoffen, dass bei den aktuell angelaufenen Verhandlungen zwischen Tokio und Washington auch eher ein schneller Abschluss gesucht wird als ein politisches Exempel wie bei China“. Es bleibe aber dennoch ein Downside-Risiko. Denn der amerikanische Präsident sei vor allem eines – unberechenbar“.

Positiv zu vermerken ist, dass die Unternehmen ihre Investitionsprognose für das im März endende Geschäftsjahr von 7,9 auf 8,5 Prozent angehoben haben. Allerdings folgen diese Prognosen einem ausgeprägten saisonalen Muster und die Unternehmen werden in der Regel optimistischer, wenn das Geschäftsjahr zu Ende geht. Dennoch ist die jüngste Prognoserunde die optimistischste seit 28 Jahren und deutet darauf hin, dass die Unternehmensinvestitionen in diesem Jahr ein wichtiger Wachstumstreiber bleiben werden.

Schließlich deutet die Umfrage darauf hin, dass sich der Inflationsdruck weiter verstärkt. Die „Outputpreise“ der großen Hersteller stiegen von plus 5 auf plus 7 und deuten darauf hin, dass die Verbraucherpreise bald um rund 1,5 Prozent pro Jahr steigen könnten.