Загрузка...

Indonesien – Die Schatzinsel

In der indonesischen Provinz Papua eskaliert ein ungleicher Kampf zwischen Armee und Rebellen. Es geht um separatistische Bestrebungen, aber auch um Rohstoffe wie Kupfer und Gold.

Bautrupps schlagen Schneisen durch den Wald, Ingenieure planen Straßen und Brücken in schwierigem Terrain. Das erklärte Ziel der indonesischen Regierung lautet, Papua zu entwickeln, sie wollen eine Gegend erschließen, in der Hunderte indigene Völker weit verstreut über Berge und Täler leben. Sie müssen nun damit klar kommen, dass sie der Staat in die globalisierte Moderne katapultiert.

Die rohstoffreiche Provinz Papua liegt ganz im Osten Indonesiens, Jakarta beansprucht die Westhälfte der Insel Neuguinea als Teil seiner Nation, obgleich einheimische Unabhängigkeitskämpfer das ganz anders sehen. Sie wollen ihren eigenen Staat. Und jene Kräfte, die für ihr Ziel mit Waffengewalt kämpfen, schickten diese Woche ein besonders blutiges Signal nach Jakarta. Mindestens zwanzig Bauarbeiter wurden von Aufständischen überfallen und getötet, wenn Berichte einzelner Überlebender in den indonesischen Medien zutreffen.
2019 stehen Wahlen an, deshalb demonstriert Präsident Widodo nun äußerste Entschlossenheit

Das Militär fliegt nun die Leichen in Zinksärgen aus, während Elitesoldaten in Hubschraubern ausschwärmen, um die Rebellen zu jagen. Der Polizeichef von Papua sprach vom „schlimmsten Angriff“ der Aufständischen seit Jahren. Die Eskalation fällt in eine Zeit, in der sich die politischen Lager in Jakarta für Wahlen 2019 wappnen. So wollte auch Präsident Joko Widodo äußerste Entschlossenheit demonstrieren: „Ich bekräftigte, dass es keinen Platz für diese bewaffneten Gruppen gibt, weder in Papua noch in irgendeinem anderen Teil der Nation“, erklärt er. „Wir haben keine Angst.“

Für Widodo ist der Gewaltausbruch bitter, denn er hat Papua immer wieder auf die Tagesordnung gehoben. Er wollte den Konflikt durch Investitionen in die Infrastruktur entschärfen, Entwicklung als Heilmittel gegen den Aufstand. Doch nach der blutigen Woche ist fraglich, wie weit ihn diese Strategie trägt. Es gibt Befürchtungen, dass sich der Konflikt nun mit dem erwarteten Gegenschlag des Militärs weiter hochschaukelt.

Papua ist begehrtes Terrain wegen seiner Bodenschätze, hier fressen sich Maschinen der weltweit größten Gold- und Kupfermine voran. Die Ausbeutung der Grasbergmine hat oft Proteste geschürt, doch die Welt bekommt kaum Einblick. Einheimische fühlen sich unterdrückt, während Staat und Konzerne die Schätze plündern. Metalle im Wert von mehr als drei Milliarden US-Dollar sind 2015 alleine aus der Grasbergmine gefördert worden.

Obwohl unabhängige Beobachter nicht zugelassen sind, gibt es kaum Zweifel, dass in Papua nun ein sehr ungleicher Kampf eskaliert. Elitetruppen einer hochgerüsteten Armee jagen versprengte Rebellen, die über wenige moderne Waffen verfügen und auf viele Indonesier wie verlorene Steinzeitkrieger wirken. Ihre Stärke liegt jedoch darin, dass sie jeden Baum kennen und der Einsatz für die eigene Gemeinschaft eine hohe Motivation freisetzt.

Aus Sicht der Freiheitskämpfer, zu denen auch ein Arm aus Intellektuellen und Studenten zählt, hat Jakarta in den Tälern und Bergen Papuas nichts zu suchen. Indonesien war dort 1963 einmarschiert und ließ sich seine brutale Kontrolle sechs Jahre später durch ein fragwürdiges Referendum unter UN-Schirm absegnen. Einheimischen gilt dieser Schritt bis heute als betrügerische Übernahme. Damals stimmten 1024 von Jakarta handverlesene Wahlmänner über das Schicksal von drei Millionen Bewohnern im Westen Neuguineas ab – einem Gebiet, in dem Freiheitskämpfer schon 1961 ihre Unabhängigkeit erklärt hatten.

Seither schwelt die Rebellion. Deren Anführer fordern, die Vereinten Nationen müssten frühere Fehler korrigieren, was meist ungehört verhallt. Gleichzeitig haben alle indonesischen Regierungen seit der Herrschaft Suhartos den Aufstand in Papua als Separatismus eingestuft. Zwar hat der als Reformer angetretene Widodo versucht, der Kontrolle über Papua ein menschlicheres Antlitz zu verschaffen, nachdem Jahrzehnte lang Vorwürfe schwerer Menschrechtsverletzungen aus Papua durchsickerten. Doch Reporter haben es nach wie vor schwer, frei aus Papua zu berichten.

Der jüngste Bericht von Amnesty International prangert außergerichtliche Tötungen an und kommt zu dem Schluss, dass auch die Regierung Widodo mit dem Ziel gescheitert sei, die Straflosigkeit der Sicherheitskräfte zu beenden. Soldaten, Geheimdienstler und Polizisten, die mutmaßliche Guerillakämpfer jagen, haben kaum etwas zu befürchten.

So flackert die Rebellion wieder auf. Zum Angriff auf die Arbeiter bekannte sich eine Gruppe der „Nationalen Befreiungsarmee für Westpapua“ (TPNPB). Ihr Sprecher Sebby Sanbom beharrte laut Jakarta Post darauf, dass die Opfer keine Zivilisten gewesen seien, sondern Ingenieure des Militärs. „Wir kennen unsere Ziele“, sagte Sanbom, seine Kräfte hätten es auf Soldaten abgesehen. Er sprach offen von Krieg, und der bedeute nur eines: „Töten oder getötet werden.“