Malaysia: Wo Mogli Urlaub macht

Strand auf Langkawi, Malaysia.

 
 
 

Kein böser Tiger, keine fiese Riesenschlange: willkommen im angenehm menschenfreundlichen Dschungel von Langkawi.

Mit seinem zurückgebundenen schwarzen Haar, dem ausdrucksstarken Gesicht und der olivfarbenen Rangerkleidung erinnert Irshad Mobarak ein wenig an den amerikanischen Action-Star Steven Seagal, der gerade in undurchdringlichen tropischen Wäldern die Befreiung irgendwelcher Geiseln plant. Doch tatsächlich sitzt Mobarak neben dem Nature Center des 5-Sterne-Hotels „The Datai“ und schwärmt von der ökologischen Vielfalt Langkawis.

„535 Schmetterlingsarten haben wir hier“, sagt der Naturforscher, „wahrscheinlich sogar mehr, weil wir ständig weitere Arten entdecken.“ Was die Schmetterlinge betrifft, ist Langkawi also das Paradies. Aber auch andere Tiere scheinen sich wohlzufühlen. 260 Vogelarten, 22 Sorten von Zikaden und 45 verschiedene Säugetiere. „Okay, wir haben nicht die großen Tiere, keine Elefanten und keine Leoparden. Aber auf Langkawi gibt es Fischkatzen, Bengalkatzen und Nebelparder“, sagt er und greift zu seinem Smartphone, um wie ein stolzer Vater Fotos zu präsentieren. „Sehen Sie, ein Doppelhornvogel!“

Schnäppchen und Äffchen

Langkawi liegt im Nordwesten vor der Küste Malaysias und ist ein Archipel, der aus mindestens 99 Inseln besteht – wenn man entschlossen ist, jeden aus dem Wasser ragenden Felsen zu zählen, können es bei Ebbe sogar fünf Inseln mehr sein. Die reiche Flora und Fauna ist dabei zwei Biodiversitäts-Hotspots zu verdanken, die sich auf Langkawi sozusagen treffen, der Indo-Myanmar-Hotspot im Norden und der Sunda-Hotspot im Süden.

Auf Inseln in der direkten Nachbarschaft würde die Sache schon wieder ganz anders aussehen, sagt Mobarak und nickt in Richtung Ko Tarutao. Das thailändische Eiland liegt praktisch direkt gegenüber und sieht aus, als sei es lediglich eine sportliche Strecke entfernt. Nur einmal kurz ins azurblaue Wasser gesprungen, und schon hätte man nach ein paar entschlossenen Zügen Thailand erreicht. „Das würde ich nicht empfehlen“, sagt Mobarak. „Das sind immerhin acht Kilometer.“

Es ist noch nicht allzu lange her, da war Langkawi ein vom Lauf der Welt und den Strömen des internationalen Tourismus unberührtes Fleckchen Erde. Dabei bot der Archipel alles, wonach Urlauber suchen: ein konstant angenehmes Klima mit Temperaturen zwischen 26 und 32 Grad, ein erträgliches Maß an Regen, weil durch die günstige Lage Sumatra die meisten Niederschläge abbekommt, und eine weitgehend unberührte Natur. Doch trotz der offenkundigen Vorteile gab es kaum Infrastruktur und nur ein paar Reisbauern und Fischer, die sich über die versprengten Besucher wunderten.

Heute boomt Langkawi – endlich

Für den damaligen Premierminister Mahathir bin Mohamad, der als Dr. M bekannt wurde, ein unhaltbarer Zustand. Also begann er während seiner ersten Amtszeit, die von 1981 bis 2003 dauerte, zu überlegen: Was mag Urlaubern in der Regel wohl noch wichtiger sein als Sonne und Natur? „Schnäppchen“, sagte ihm die Eingebung, weswegen er die Inselgruppe kurzerhand zur Freihandelszone erklärte, in der man keine Mehrwertsteuer mehr zu zahlen brauchte. Heute, da der 93-Jährige gerade in seiner zweiten Amtszeit steckt, kann er genüsslich seinen Erfolg betrachten: Langkawi boomt.

Kamen die Inseln 2014 bereits auf 2,2 Millionen Übernachtungsgäste, waren es zwei Jahre später schon 2,7 Millionen. Inzwischen dürfte man mühelos die 3-Millionen-Grenze geknackt haben, wobei der Archipel immer noch so wirkt, als sei er von den Verwerfungen des Massentourismus verschont geblieben.

Die Strände sind nicht überfüllt, die Ufer nicht mit Hotelanlagen verbaut, die Straßen sind ruhig und keine Partytouristen weit und breit. Es mag dabei geholfen haben, dass die Unesco Langkawi wegen der einzigartigen Natur bereits 2007 zum Geopark erklärt hat. Drei große Zonen sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen: der Kilim Karst Geoforest Park im Nordosten mit seinen Mangroven, Kalksteinfelsen und Höhlen, der Dayang Bunting Marble Geoforest Park im Süden, der auch als „Insel der schwangeren Jungfrau“ bekannt ist, und der Machinchang Cambrian Geoforest Park, bei dem es sich um einen zehn Millionen Jahre alten Regenwald handelt.

Einer der Top-Strände weltweit

Inmitten des Regenwaldes befindet sich auch „The Datai“, das erste Luxushotel auf Langkawi, in dem Irshad Mobarak heute über das Wohl von Schmetterlingen und Bengalkatzen wacht. Vor 26 Jahren, als sich noch niemand um Tourismus scherte, wurde das Haus eröffnet, und man kann dem damaligen Architekten Kerry Hill nur dafür danken, dass er zum Entsetzen seiner Auftraggeber darauf bestand, die Anlage nicht direkt an den Strand zu bauen, sondern zwischen die Bäume in den Wald.

Nicht zuletzt deshalb gehört der Strand laut „National Geographic“ zu den zehn schönsten der Welt, während die Anlage mit ihren dramatischen Treppen, verschlungenen Wegen und versteckten Villen so wirkt, als hätte der Urwald sie sich einverleibt. „The Datai“ als der Maßstab für Luxushotellerie in den Tropen, 2001 wurde es mit dem Aga-Khan-Preis für Architektur ausgezeichnet.

Davon weiß der Südliche Brillenlangur, der auf einem Steg des Hotelgeländes seinen Nachmittag verbringt, freilich nichts. Neugierig scheint er den Passanten auf seinem Weg zurück in sein Zimmer zu betrachten. Südliche Brillenlanguren können nämlich gar nicht anders, als scheinbar neugierig zu gucken, das liegt an der weißlichen Zeichnung rund um ihre Augen. Tatsächlich ist der Schlankaffe wohl nur mäßig interessiert. Vor Touristen muss er sich nicht fürchten. Auf seiner Insel haben sie sich ganz entgegen ihrer Art bislang recht ordentlich verhalten.