Singapur kapselt sich ab – weder «Corona-Touristen» noch Transitreisende sind erwünscht

Eine Flugbegleiterin der Singapore Airlines geht durch die Halle des Singapurer Flughafens Changi.

 
 
 

Singapur schliesst seine Grenzen und unterbindet am Dienstag gar den Transitverkehr am Flughafen. Die Behörden reagieren so auf die gefährliche Zunahme der eingeschleppten Sars-CoV-2-Infektionen.

Als Reaktion auf die sich verschärfende Corona-Krise hat Singapur am Sonntag den Zugang zum Staatsgebiet drastisch eingeschränkt. Das betrifft vor allem den Flugverkehr: Selbst Transitreisende via den internationalen Flughafen Changi werden vom Dienstag an abgelehnt. Damit ist ab diesem Zeitpunkt auch Personen, die beispielsweise aus Australien oder Bali via Singapur nach Europa fliegen wollen, die Zwischenlandung zum Umsteigen untersagt.

80 Prozent sind eingeschleppte Fälle

Die Fluggesellschaften, die Singapur immer noch anfliegen, sind entsprechend angewiesen worden, nur noch Personen mit einer Aufenthaltsbewilligung an Bord zu lassen. Je nach Herkunftsland müssen aber auch diese eine zweiwöchige Quarantäne einhalten. Diese Selbstquarantäne – sei es zu Hause oder in Hotels – wird genau überwacht.

Mit diesen verschärften Einreisebestimmungen reagiert die Regierung auf die wachsende Zahl eingeschleppter Sars-CoV-2-Ansteckungen. Am Samstag verzeichnete man 47 neue Krankheitsfälle, wovon 39 als «importiert» gelten. Bereits in den Vortagen zeigte sich, dass jeweils etwa vier von fünf neuen Fällen auf infizierte Einreisende zurückzuführen sind.

Besondere Gäste aus Indonesien

Am Sonntag ist die Gesamtzahl der registrierten Erkrankungen auf 455 gestiegen; das ist im internationalen Vergleich immer noch relativ wenig. Aber in den letzten fünf Tagen verdoppelte sich die Ziffer. Wegen der leichten Übertragbarkeit des Virus fürchtet man sich auch hier vor einer exponentiellen Zunahme.

Singapur ist mit einem neuen Phänomen konfrontiert: «Corona-Tourismus». Weil der Stadtstaat immer noch als vergleichsweise sicher gilt und über ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem verfügt, registrierte man in den letzten Tagen einen Zustrom aus den Nachbarländern. Damit werden nicht nur Ressourcen zur Erfassung und Überwachung gebunden, auch die Spitäler müssen mit zugereisten Patienten fertigwerden. So sorgt derzeit ein Indonesier für Schlagzeilen, der am 13. März trotz (oder wegen) erster Symptome zur Behandlung nach Singapur flog. Der 64-Jährige ist am Samstag verstorben.

Dunkelziffer in Nachbarländern

Beim Indonesier, der als «Case 212» aufgeführt ist, handelt es sich erst um das zweite Todesopfer seit dem Ausbruch der Epidemie. Auch die bisher gemessene Mortalität ist mit weniger als 0,5 Prozent im internationalen Vergleich gering. Doch die Meldung, dass am Samstag zwei Patienten verstorben seien, verstärkte den Eindruck, dass man auch in Singapur noch weit von einer Normalisierung entfernt ist. Weil die Lage weltweit eskaliere, habe man sich dazu entschlossen, die Grenzen stärker zu schliessen, erklärte der koordinierende Minister Lawrence Wong am Sonntag.

Von einer Eskalation muss gerade mit Blick auf die Nachbarländer gesprochen werden, wo die jeweilige Dunkelziffer besonders hoch sein dürfte. In Indonesien beispielsweise ist die Lage unübersichtlich; aufgrund der sich mehrenden Todesfälle, unter ihnen drei Ärzte, und laut neusten Schätzungen deutet im Grossraum Jakarta aber einiges auf eine lokale Epidemie hin. Am Sonntag meldeten auch die Philippinen, Thailand und Malaysia zahlreiche neue Fälle.